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Die Fluidtechnik – mit den Technologien Hydraulik, Pneumatik und Dichtungstechnik – umfasst sehr unterschiedliche Produkte, die sich anwendungsspezifisch zu beliebig vielen Systemen kombinieren lassen. Gleichzeitig führen diese Vielfalt und Flexibilität aber auch zu einer großen Menge an Daten und Informationen. Dabei ermöglicht Fluidtechnik 4.0 eine strukturierte Erfassung, lückenlose Dokumentation und durchgängig aktuelle Produktdaten.
Innovative Digitalisierungslösungen ermöglichen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen sowohl in den Zuliefer- als auch Anwenderbranchen.
Daten definieren die Wertschöpfung von morgen. Sowohl Hersteller als auch Anwender sind auf Informationen während des gesamten Produktlebens angewiesen. Doch oft ist die Suche nach diesen Informationen schwierig, was zu unklaren und fehlenden Angaben, falschen Annahmen, hohem Zeitaufwand, nervenaufreibenden Telefonaten zwischen Zulieferern, Anwendern und nicht zuletzt verzweifelten Kunden führt.
Seit 2016 hat sich die Industrie auf einen Branchenstandard für den fluidtechnischen digitalen Zwilling geeinigt und entwickelt diesen seitdem weiter. Schlüsseltechnologie und zentrales Element von Fluidtechnik 4.0 ist die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS), die standardisierte Merkmale und Strukturen verwendet und eindeutig und einheitlich in Unternehmen zugänglich ist. Die AAS enthält alle Daten und Informationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Herstellerübergreifend standardisiert, strukturiert und kompatibel mit Formaten wie z.B. „Automation ML“ oder „OPC UA“. Dies ermöglicht eine Verknüpfung und Einbettung in die Digitalisierungskonzepte der Anwenderbranchen.
Nachdem sich die Branche auf die Asset Administration Shell (AAS) als digitalen Zwilling festgelegt hatte, wurden durch den Arbeitskreis Digitalisierung im VDMA‑Fachverband Fluidtechnik mit „Fluidtechnik 4.0“ umfangreiche Grundlagen geschaffen. Dazu gehörten erste Demonstratoren mit QR‑Codes, über die digitale Zwillinge direkt auf Messen erkundet werden konnten – inklusive Live‑AAS, die Status‑ und Lebensdauerdaten aus OPC‑UA‑Systemen in Echtzeit anzeigten. Parallel wurden Standardisierungsaktivitäten in ECLASS und ISO vorangetrieben, um Herstellern und Anwendern einheitliche Merkmalsmodelle und interoperable Datenstrukturen bereitzustellen. Diese Vorarbeiten bilden das Fundament, auf dem das Fluid‑4.0‑Projekt heute systematisch aufbaut.
Ein zentraler Schritt hin zur Operationalisierung der Digitalisierung war die Analyse von gut 20 Use Cases über den kompletten Produktlebenszyklus (PLC) hinweg – herstellerseitig, maschinenseitig und anwenderseitig. In mehreren Bewertungs- und Auswahlrunden wurden daraus die 7 relevantesten Use Cases priorisiert, die anschließend weiter detailliert wurden. Zur Vertiefung fanden 2021 mehrere moderierte Workshops statt, in denen die use cases inhaltlich geschärft und konsolidiert wurden. Dabei wurden Painpoints und Erwartungen von diversen Stakeholdern erfasst und vier Kern‑Use‑Cases erarbeitet und deren konkrete Nutzwerte für Industrie, Maschinenhersteller und Anwender abgeleitet.